Machen Sie mit beim wunderbaren Corporate TV! Es geht ganz einfach: YouTube-Kanal anlegen, die Werbespots und Produktvideos der letzten 10 Jahre hochladen und schon ist das Thema erledigt. Der Praktikant kann ganz coole Sachen mit der Videokamera? Super, sofort in die sozialen Kanäle damit!

So funktionierte das damals vor 10 Jahren. Heute muss man ein wenig mehr tun, um Corporate-TV erfolgreich umzusetzen. Mit Smartphone, Breitband und völlig geändertem Nutzerverhalten sind nicht nur die Möglichkeiten, sondern auch die Ansprüche gewaltig gewachsen. Darum hier 3 Tipps, wie man im Jahr 2018 gutes Corporate TV macht.

3 Tipps für gutes Corporate TV

  1. Storytelling statt Phrasendreschen
  2. Information auf das Nötigste reduzieren
  3. Ressourcen schonen

1 | Erzählen Sie!

Mit dem Wort „erzählen“ meine ich, dass die üblichen Corporate-Floskeln in einem Film nichts verloren haben. Ein Imagefilm, dessen Text so sexy klingt wie ein Beipackzettel für Hämorrhoidencreme ist definitiv eine Themenverfehlung (lesen Sie mehr über den langsamen Tod des Imagefilms hier). Der Film ist nicht der richtige Ort für wilde Satzkonstruktionen, deren Anfang man vergessen hat, bevor man zum Ende gekommen ist. Außerdem hat neben dem Bild auch der Text eine emotionale Funktion. Die Formulierungen müssen also nah an der Alltagssprache sein und den Zuschauer ansprechen.

Für die OMV haben wir den „Turnaround“ dokumentiert, ein Projekt bei dem die Raffinerie Schwechat einen Monat lang von circa 3.000 Menschen zerlegt, gereinigt, instand gesetzt und wieder zusammengebaut wurde. Da könnte man natürlich erzählen, wie super das alles gelaufen ist und dabei mit technischen Details um sich werfen – nur interessiert das niemanden. Gemeinsam mit der OMV haben wir darum die Geschichte von Turnaround-Leiter Stefan Hölbfer und seinen Kollegen erzählt. Sie haben sich der Mammutaufgabe gestellt und dabei alle Probleme souverän gemeistert.

OMV – Turnaround Schwechat

Vom Superheldenfilm bis zum Märchen sind fesselnde Geschichten oft nach dem Prinzip von Herausforderung und Bezwingung gestrickt. Darum sollten auch Unternehmen diese Erzählweise mehr für sich entdecken. Vor allem aber sollten sie sich einer Sprache bedienen, die man gerne hört und die das Verstehen erleichtert.

2 | Verzichten Sie!

Eine Bauschuttmulde ist wie ein Magnet. Ist sie in einer Straße aufgestellt, scheint die komplette Nachbarschaft ihre Kellerabteile zu leeren und dort hinein zu schmeißen. Uns geht es manchmal ähnlich wie diesen Mulden. Haben sich Unternehmen für ein Filmprojekt entschieden, gibt es oft ein ganz konkretes Kommunikationsziel – und das ist gut so. Aber plötzlich kommen aus allen Ecken der Firma zusätzliche Inhalte, die unbedingt auch noch hinein müssen. Arbeitete man eben noch an einem vernünftigen dreiminütigen Film, sieht man sich nach solchen Interventionen einem monströsen 6-Minuten-Trumm gegenüber, deren verworrene Storyline nur noch Alexander der Große entwirren könnte (wobei dieser Schlauberger den gordischen Knoten ja nicht wirklich gelöst, sondern einfach zerschlagen hat). Wenn man Inhalte für drei Filme hat, sollte man auch drei Filme machen und nicht versuchen alles in einem unterzubringen.

Film ist so großartig für Unternehmen, weil unser Hirn die Symbiose aus Bild und Ton bevorzugt abspeichert. Und obendrauf wird jede dieser Bild-Ton-Erinnerungen sogar mit Emotionen garniert. Aber Film ist schnell überfordert, wenn man den Rezipienten mit Zahlen, Daten und Fakten ins Dauerfeuer nimmt. Man braucht für einen guten Film eine Kernbotschaft. Alle Inhalte die man in das Werk gibt, sollten primär diese Kernbotschaft unterstützen.

In Wien entsteht das höchste Holzhaus der Welt! Das ist die Botschaft, die unser Video für das „HoHo Wien“ transportiert. Der Rest des Texts ist dazu da, den Zuseher zu unterhalten und Emotionen zu wecken. Auch die visuelle Ebene will primär diese eine Botschaft festigen. „Viel hilft viel“ mag vielleicht für den After-Work-Cocktail gelten, auf Corporate-TV trifft die Weisheit nicht zu. Erst durch Verzicht schafft man es, die Botschaft dem Gegenüber klar und unmissverständlich zu vermitteln.

3 | Recyceln Sie!

Ja, Corporate-TV gibt es leider nicht gratis. Das kann jeder bezeugen, der schon mal einen Film beauftragt hat. Aber auch folgende Erfahrung machen unsere langjährigen Kunden: Corporate TV zahlt sich aus. Denn, wenn man an Produktionen richtig herangeht, lassen sich viele Synergien nutzen. Sobald man zum Beispiel einen Dreh plant, sollte man sofort überlegen, wie man das Meiste aus ihm herausholt.

Unsere Produktionen für voestalpine sind Beispiele für dieses effiziente Denken. Es wird ein neues Werk eröffnet. Die Blaskapelle marschiert auf und wir natürlich auch … mit Licht, Ton und Kamera. Aus den Aufnahmen wird erstmal ein launiger Film für YouTube. Und da wir schon vor Ort sind, werden auch gleich kurze Interviews mit den anwesenden Experten gemacht, die später im Intranet und auf Social-Media-Kanälen verbreitet werden. Und sobald der Bürgermeister nicht mehr das Bild verdeckt, wird das Werk im Normalbetrieb gefilmt. Es ist das perfekte Material für das Archiv des Kunden, wo es Redaktionen und Filmproduktionen nutzen können.

Das Ergebnis dieses konsequenten Mitdenkens: Wir produzieren für voestalpine ein monatliches Nachrichtenmagazin mit drei bis vier informativen Beiträgen pro Ausgabe. Bisher ist noch kein Drehtag angefallen, der ausschließlich für einen dieser Filme notwendig gewesen wäre. Es ist vielmehr die Regel, dass komplette Sendungen mit Hilfe des Archivs bebildert werden können.

voestalpine News

Erzählen, verzichten und recyceln. Das hört sich eigentlich nach einem Abendkurs für ökobewusste Selbstfindung an. Es sind aber drei wesentliche Faktoren für erfolgreiches Corporate TV. Man kann Rezipienten nur erreichen, wenn man ihnen eine gute Geschichte erzählt. Die sollte außerdem frei von allem Ballast sein, damit die Botschaft unmissverständlich ankommt. Und damit sich das Abenteuer Corporate TV am Ende des Quartals auch monetär auszahlt, ist die Suche nach Synergien nicht die Kür sondern die Pflicht.

Roland Aßmann

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