Es gibt Momente im Leben in denen man weiß, dass man vor sehr langer Zeit eine richtige Entscheidung getroffen hat. Für einen dieser Momente musste ich 5.671 Meter auf einen Berg im Iran hochsteigen.

Die Reaktionen von Freunden auf meinen bevorstehenden ServusTV-Bergwelten-Dreh im Iran waren im Vorfeld einseitig: Ungläubigkeit, Unverständnis, Mitleid. Meistens auch in dieser Reihenfolge. Vielleicht hätte ich ähnlich reagiert, hätte mir ein Kollege von einem vergleichbaren Auftrag erzählt. Ich hatte aber keine Zeit zu überlegen, denn die Zeit drängte, und ich musste mich mit der Planung beschäftigen. Es gibt unkompliziertere Produktionen: Visa-Bestimmungen, Fragen zur Equipment-Einfuhr, Reiselogistik, Sprachbarrieren, Drohnen-Richtlinien, medizinische Vorbereitungen, Höhentrainingslager, Verhandlungen mit etc.

12. Juli. Ankunft um 04:30h in Teheran. Probleme bei der Einreise. 07:00h im Hotel. Probleme mit der Zimmerreservierung. Kein guter Start, aber das Team geht erfreulich locker damit um. Kein Wunder, wir haben mit Gerlinde Kaltenbrunner und Peter Habeler Kapazunder in den eigenen Reihen, die in ihrem Leben schon vor größeren Problemen gestanden sind.

Erstes Meeting mit den iranischen Kollegen. Auge in Auge mit jenen Menschen, von denen wir in den nächsten zwei Wochen abhängig sein würden wie der Säugling von der Mutter. Alles geht gut – die Wellenlänge stimmt. Ich hoffe, sie sehen das auch so.

13. bis 23. Juli. Wir tauchen ein in die iranische Wirklichkeit, oder zumindest in jene Wirklichkeit, die man als Gast erfahren darf. Wir besteigen als Vorbereitung einen 4.000er der direkt neben Teheran aus dem Boden schießt, ersticken im stockenden Verkehrsfiasko, essen vorzüglich in versteckten persischen Restaurants, durchstreifen Blumenfelder im alpinen Gelände, sind überfordert im Umgang mit zwei verschiedenen Landeswährungen, jagen Skorpione in der Wüste, suchen Unterhosen mit Bergporträts am großen Basar, gewöhnen uns an die iranische Auslegung von Pünktlichkeit, vermissen aggressive Massendemonstrationen mit Fahnenverbrennungen, staunen über die unendliche Dimension eines Salzsees, sehen das Fußball-WM-Finale auf einer Berghütte auf 2.700 Metern, bewundern den Sonnenuntergang am Damavand und sind schlichtweg begeistert von der Herzlichkeit die uns in vielen Augenblicken begegnet.

Behind the Scenes

Dann wird es hart. Zu fünft sind wir als Film-Team aufgebrochen, doch für den letzten, schweren Gipfeltag sind wir nur noch zu Dritt. Ein Kollege liegt mit schweren Magen-Darm-Problemen im Hotel, ein anderer verletzt sich während der Arbeit mit dem Messer an der Hand und muss operiert werden. Nach großen Strapazen und Ausbeutung von Mensch und Maschine haben wir es trotzdem geschafft. Wir stehen am höchsten Berg des Iran.

Ja, es war sehr anstrengend. Ja, es gab berechtigte Momente des Zweifelns.
Doch nachdem das letzte Interview in der dünnen Luft abgedreht war, hat er sich eingestellt, der Moment, indem das Leben einem Recht gibt. Es war gut zum Fernsehen zu gehen. Es war richtig den Beruf des Regisseurs anzustreben. Er bringt dich weiter. Er eröffnet Perspektiven, manchmal auch auf 5.671 Metern Seehöhe.

Mathias Peschta

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