Der klassische Imagefilm erlebte vor rund 20 Jahren seine Hochblüte. Seither haben sich weder Bilder noch Texte wesentlich verändert. Sind Imagefilme also noch relevant? Und wenn nein, was ist die Alternative?


Imagefilm Klischees, die keiner mehr sehen will

Wir kennen sie alle. Sie sind zum klischeehaftesten Bewegtbild-Genre nach der Telenovela geworden. Männer in Anzügen schütteln die Hände und lächeln sich an wie George Clooney und Brad Pitt in Oceans Eleven. Ein freundlicher Polier blickt mit milchgerinnender Ernsthaftigkeit in die Ferne. Er hält einen Plan in Händen, während ein Arbeiter zu ihm aufschaut. Eine junge, gut gestylte Frau im Business-Kostüm mit einer Föhnwelle für das nächste Desperate-Housewifes-Casting lauscht bewundernd einem Mann, der eine Präsentation hält. Man fragt sich, was werden sie nach diesem Film tun?

Das Bullshit-Bingo der Imagevideos

Die Bilder in den Filmen sind ähnlich und austauschbar, die Texte beinahe ident. Wer uns nicht glaubt, kann gerne irgendeinen x-beliebigen Imagefilm ansehen und diesen auf diese Dampfplaudereien untersuchen. Hier eine kleine Auswahl der beliebtesten Buzzwords bzw. Buzzphrases in Imagefilmen.

Wir sind ein internationales UnternehmenWir stehen für Nachhaltigkeit.Höchste Qualität ist unser Anspruch.Social Responsibility ist uns ein Anliegen.
Der Mensch steht im Mittelpunkt.Wir wollen die Zukunft mitgestalten.Wir denken die Dinge etwas anders.Wir stellen uns den Herausforderungen – heute und in Zukunft
Kundenfreundlichkeit steht bei uns ganz oben.Partner können sich auf uns verlassen.Wir handeln umweltbewusst.Mut zum Anderssein zeichnet uns aus.
 

Kundenorientierung nach außen und innen ist unser Prinzip.

hoher Leistungsbereitschaft ist unsere Stärke.Unsere Strukturen sind flach und transparent.Qualität, die überzeugt.

 

Es soll Agenturen geben, die für diese Copy-&-Paste-Texte tatsächlich noch Geld verlangen.

Aber noch etwas haben all diese Imagefilme gemeinsam: Sie interessieren niemanden. Sie werden zur Befriedigung von Vorständen und Marketingverantwortlichen produziert. Wenn man sich die Zahlen der Aufrufe auf YouTube anschaut, weiß man, dass das zwar ein teures aber sehr intimes Erlebnis ist. Wer will schon jemandem zuhören, der davon spricht, wie großartig er ist? Sympathisch geht anders. Doch wir müssen lernen: Der Imagefilm ist zwar tot, aber das haben noch nicht alle mitbekommen.

 

Die Mutter aller Imagefilme

Der Einsatz von solchen Klischees in Imagefilmen hat aber auch seine gute Seite. So ist dies der Perfekte Nährboden für Satire.  Ein großartiges Beispiel liefert der Imagefilm „S´Leben is a freid. Die Mutter aller Imagefilme“. Sämtliche Klischees werden bedient und kein Auge bleibt trocken. Übrigens: Wer diese Art Humor nicht versteht oder nicht lustig findet, darf den Text gerne auch für den nächsten eigenen Imagefilm kopieren.

S´Leben is a freid. Die Mutter aller Imagefilme

Imagefilme, die wirklich interessieren

So, nun aber genug des Bashings, kommen wir zum Wesentlichen. Wie muss ein Imagefilm aufgebaut sein, um in der heutigen Zeit noch Relevanz zu haben, oder mehr noch – um zu überzeugen. Diesem Thema widmen wir uns in Teil 2 dieses Artikels. In diesem lesen Sie nicht nur über gelungene Imagefilm Beispiele, sondern auch, worauf es bei einem „guten“ Imagefilm wirklich ankommt.

Stefan Domnanovich

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