Die 2018 in Kraft getretene DSGVO betrifft auch Videoproduktionen. Die Verunsicherung ist groß. Besonders hart spüren das Video-Content-Gestalter & Journalisten. Denn: Wo es Regeln gibt, gibt es auch völlig falsche Interpretationen. Aus diesem Grund wollen wir drei gängige Mythen über die DSGVO und Videoproduktionen aus der Welt schaffen. 

Die DSGVO erreicht die Werbeagenturen und Videoproduzenten

Seit Mitte 2018 ist die Datenschutzgrundverordnung in Kraft. Sie soll den wachsenden Datenberg reglementieren und vor allem die großen Datenkraken in die Schranken weisen. Die Bevölkerung, die davon eigentlich profitieren sollte, ist seitdem aber vor allem eines: verunsichert. Journalisten, die tagtäglich mit Menschen vor der Linse oder dem Mikrofon arbeiten, bekommen diese Verunsicherung besonders zu spüren – zu Recht oder zu Unrecht?

Wir haben unsere Video-Profis befragt und gehen drei Mythen der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) aus den Bereichen Video und Videoproduktion auf den Grund.

1. Filmen ohne Einwilligung der Personen ist verboten

„Sie dürfen mich nicht filmen!“ – ein Klassiker unter den Mythen. Und dieser Mythos ist wahr. Ohne Ihre Zustimmung darf dies tatsächlich nicht geschehen. Für Fernseh- und Medienmacher war das aber schon vor Inkrafttreten der DSGVO so. Das Ganze nennt sich “Recht am eigenen Bild” und ist in §78 des Urheberrechts-Gesetzes geregelt. Das ist seit 1936 so und wird bei Verwendung für Werbezwecke besonders streng ausgelegt.

Sollte jemand ohne Einwilligung – oder noch schlimmer – ohne sein Wissen in einem Film auftauchen, muss der Filmschaffende bzw. die Produktionsfirma mit juristischen Folgen rechnen. Dabei ist klar: Der Klagende bekommt meistens recht. Das wird für Firmen, die den Film publizieren, mitunter teuer.

Als Auftraggeber von Produktionsfirmen können Sie solche Situationen vermeiden, indem Sie sich die unterzeichneten Einverständniserklärungen der Protagonisten vorlegen lassen. Am besten vor Veröffentlichung der Produktion. Für professionelle Produktionsfirmen ist das Routine und eine Selbstverständlichkeit.

2. Die DSGVO verbietet Auskünfte über frühere Arbeitgeber

“Ich darf Ihnen nicht sagen, wo ich früher gearbeitet habe.”, ein Satz, der in Interviews (z. B. für Stellenbewerbungen) öfters fällt. Die DSGVO verbietet derartige Auskünfte jedoch nicht. Denn: Jeder Mensch ist Herr oder Frau über seine Daten und Auskünfte. Dieser Mythos ist somit falsch.

Anders ist es, wenn diese Auskunft veröffentlicht wird, etwa als Video. Dann nämlich wird daraus eine Information, die gespeichert wird und ist deshalb datenschutzrelevant. Wie oben bereits erwähnt, bedarf es hierzu einer Einwilligung.

Nachdem – zumindest bei uns – niemand unter Einsatz von Gewalt vor die Kamera gezerrt wird, können wir bei einem Standard-Interview davon ausgehen, dass der Interviewpartner die Kamera sieht und damit auch weiß, dass er gefilmt wird. Zusätzlich zur schriftlichen Zustimmung hat es sich bewährt, am Beginn des Interviews bei laufender Kamera über den Verwendungszweck zu informieren. Wenn sich dieser nach den Filmaufnahmen nicht ändert, sollte das vor jedem Gericht standhalten.

Tatsächlich neu: das Recht auf Löschung der persönlichen Daten
Tatsächlich neu ist seit Inkrafttreten der DSGVO, dass natürliche Personen das Recht auf Löschung des Materials haben. Außerdem kann jeder von uns beim Unternehmen XY anklopfen und fragen, was sie denn so für persönliche Daten von uns gespeichert haben. Weniger lustig ist das für das Unternehmen, mitunter amüsant für Einzelpersonen: Bei Facebook etwa reichen ein paar Klicks und sie gehen in tausenden Seiten ihres digitalen Footprints unter. Aber Achtung: Es kann zu Schamgefühlen kommen. Trotzdem – oder gerade deshalb – viel Spaß!

3. Livestreams müssen aus Datenschutzgründen abgesagt werden

Die Nachricht hat eingeschlagen wie eine Bombe: Bis Ende Mai des vergangenen Jahres hat die Diözese in Baden-Württemberg dem geneigten Internetnutzer mit einem Livestream aus Gotteshäusern gedient. Ein paar Tage nach dem digitalen D-Day wurde den Kirchenoberen in Schwaben das Eisen zu heiß, die Livestreams abgesagt. Es müssten Einwilligungen von allen an der Liturgie Mitwirkenden (Pfarrer, Ministranten, Lektoren, Sänger) sowie von allen Gottesdienstbesuchern einzeln eingeholt werden, zitiert das Medienmagazin meedia.de den Pressesprecher des Bistums. Tatsächlich stellte sich später heraus, dass nicht die DSGVO Schuld daran war, sondern die Diözese selbst. Sie hatte eigene, strengere und selbst gestaltete Datenschutzregeln mit 25. Mai 2018 in Kraft treten lassen. Kann man machen, muss man aber nicht.

Was ist nun aber dran an dem Mythos?
Livestreams von Veranstaltungen sind tatsächlich heikel, deshalb sollten sich Auftraggeber die Frage stellen, ob wirklich der gesamte Zuschauerraum gefilmt werden muss, oder ob es reicht, die Bühne mit den wichtigsten Akteuren zu zeigen. Diese sollten in jedem Fall ihre Erlaubnis geben – am besten schriftlich.  Wenn man am Anfang der Veranstaltung das Publikum informiert und die Möglichkeit gibt, den Saal zu verlassen bzw. sich so zu setzen, dass man nicht gefilmt wird, verbessert das die Situation des auftraggebenden Unternehmens erheblich. Es ist anzuraten genau diese Information mitzufilmen.

FAZIT: Auch Videoproduzenten müssen die DSGVO beachten

Die DSGVO hat viele Menschen verunsichert. Im Grunde hat sich für Privatpersonen aber nicht viel geändert. Sie regelt fast nichts neu, wofür es davor nicht schon genügend Gesetze gab (z. B. Recht am eigenen Bild). Nachdem es aktuell noch wenige gerichtliche Entscheidungen gibt, werden die Folgen dieser Verordnung von vielen Experten als großes schwarzes Loch bezeichnet.

Für Medien (nicht nur journalistische) gilt zwar zusätzlich eine Ausnahmeregelung, ein Hinweis über die Verwendung des Materials schadet aber nicht. Wirklich Angst haben sollten nur die Googles, Facebooks und Apples dieser Welt, die private Daten sammeln und horten.

Sollten Sie zu diesem Thema mehr erfahren wollen, nehmen Sie einfach Kontakt mit uns auf.

Eine Zusammenfassung unterhaltsamer Datenschutz-Missverständnisse aus einem Jahr DSGVO lieferten auch die Experten Katharina Nocun und Lars dP Hold auf der diesjährigen re:publica:

Magda Jöchler

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