Im Auftrag von ServusTV ging es für das Team in die Dolomiten, um eine neue Episode der Serie “Bergwelten” zu drehen. In dieser Folge begleiteten wir den Südtiroler Höhlenforscher Thomas Hofer bei seiner Expedition in die „Bus della Spia – die Höhle der Spionin“. Das Projekt stand unter dem Motto “Tiefenrausch trifft Tiefenschärfe”.

In den Dolomiten – genauer gesagt unter der Brenta Gruppe ca. 1 Autostunde südlich von Bozen – existiert eine faszinierende geflutete Höhle. Die „Bus della Spia“ oder auf Deutsch die Höhle der Spionin. Benannt ist sie nach einer Hexe, die dieses Grottensystem zum Auspionieren einer alten Burg genützt haben soll. Hier steigt und fällt das Wasser im Berg in periodischen Abständen um bis zu 13 Meter. Ähnlich den Gezeiten am Meer. Die Gründe dafür liegen bisher noch im Dunkeln.

Der Südtiroler Höhlenforscher Thomas Hofer hat es sich zum Ziel gesetzt, dieses Phänomen zu erforschen. Er will in der Höhle tauchen und erkunden woher das Wasser kommt und wohin es geht. Sein Antrieb ist der Wunsch neue Orte und Welten zu entdecken. Dieses Abenteuer ist zwar spannend aber auch ungemein gefährlich. Die geballte und einzigartige Leidenschaft mit der Thomas Hofer seinem Traum hinterhertaucht, ist der Grund ihn bei dieser Expedition mit der Kamera zu begleiten.

Willkommen in der Unterwelt

Höhlen haben im Allgemeinen etwas Befremdliches und das, obwohl sie der Menschheit mehrere tausend Jahre als Behausung gedient haben. Höhlen sind dunkel, feucht und kalt. Und manchmal eben auch noch überflutet. Um in einer Höhle zu tauchen, braucht es jahrelange Erfahrung und einen kühlen Kopf. Kleine Fehler erzielen große Wirkung. Wer seine Ausrüstung an den ständig lauernden Hindernissen beschädigt, wird wohl für immer hier unten bleiben. Platzangst oder Panikattacken sind bei diesem Hobby eher hinderlich. Wer sich aber dieser Herausforderung stellt, wird mit Blicken belohnt, die nur sehr wenigen Menschen auf dieser Erde vergönnt sind. Es warten unvergleichliche steinerne Gebilde deren Modellierung Jahrtausende gebraucht hat. In einem noch nie von einem Menschen betretenen Seitenarm zu tauchen, ist vergleichbar mit den ersten Schritten am Mond.

Die erste Höhlen-Begehung mit meinem Chefkameramann Martin Hanselmayr in der „Bus della Spia“ war ein Abenteuer an sich:

Höhlen Doku / Location Scouting

Unser Producer Mat "Indiana Jones" Peschta auf Location Begehung für eine Höhlen Doku. Klaustrophobie-Leidende und Onesie-Hasser müssen jetzt ganz stark sein.

Gepostet von WEST4MEDIA am Donnerstag, 17. Mai 2018

 

Als urbaner Mensch ist man ja schon von den Zuständen die in einer voll gestopften U-Bahn herrschen abgestoßen. Das Kriechen durch knöchelhohe Engstellen hat sich dagegen als weitaus heftigere Aufgabe entpuppt. Obwohl – es riecht besser. Und die Gefahr von WhatsApp Nachrichten verfolgt zu werden, ist erlösend gering. Der Umstand, dass es sich bei unserer Unternehmung nicht um eine private Foto-Safari handelte, sondern um einen geschäftlichen Auftrag, hat geholfen sich auf die Situation zu fokussieren und mulmige Gedanken auszublenden.

Die Hürden in einer derart lebensfeindlichen Umgebung zu filmen, sind zahlreich. Alleine die Kamera sauber zu halten, ist eine Kunst. Der Schmutz kommt von allen Seiten. Und nicht zuletzt auch von den eigenen Händen. Es trieft, schliert und tropft. Es ist schlicht unmöglich diese Höhle sauber und adrett zu verlassen. Diese Erkenntnis schmerzt zu Beginn noch, aber spätestens die dritte Durchquerung eines hüfthohen unterirdischen Sees mit einer Temperatur von sechs Grad Celsius schafft eine gewisse Gleichgültigkeit. Nach zwei Stunden ist man endgültig schlamm- und kälteresistent. Man hat auch keine andere Wahl.

Wenig Licht und noch mehr Schatten

Das Licht, beziehungsweise seine Abstinenz, ist der nächste erschwerende Faktor. Es ist finster. Höhle eben. Hier würden normalerweise große Schweinwerfer Abhilfe schaffen. Doch der Transport der Selben bzw. die mangelnde Stromversorgung machen dies unmöglich. Was aber auch sein Gutes hat. Verwendet man nur die Helmleuchten der Protagonisten als Lichtquelle, bekommen die TV-Zuseher einen fast unverfälschten Eindruck der Höhlen-Atmosphäre. Ständig geistern die Lichtkegel der höhlenforschenden Menschen über feuchte Höhlenwände. Nie ist eine Szene komplett ausgeleuchtet. Das ergibt eine spannende visuelle Dynamik. Natürlich müssen kleine Aufheller gesetzt werden, aber der Anspruch war von Beginn an die einzigartige Lichtstimmung einzufangen.

Logistik und Transport haben bei jedem Projekt einen hohen Stellenwert. In einer Höhle potenzieren sich diese Themen. Eine Höhle verzeiht nicht. Wer etwas bei der Einstiegsstelle vergessen hat, hat es vergessen. Der Weg hinaus und wieder hinein wäre so zeitraubend, dass es dieses Backup schlichtweg nicht gibt. Das gilt für Filmequipment wie auch für Müsliriegel. Man sollte bei diesem Job seine Checkliste im Griff haben. Apropos „im Griff haben“. Jeder einzelne Schritt in dieser Höhle muss aufmerksam und bewusst gesetzt werden. Bricht man sich 400 Meter tief im Berg den Fuß und ist bewegungsunfähig, kann die Rettungsaktion bis zu 17 Stunden dauern. Dessen sollte man sich bewusst sein, wenn man schmierige Steilhänge mit einem Gefälle von 45% hinunter klettert.

Zum Schluss noch einige sachdienliche Hinweise in Bezug auf körperliche Bedürfnisse: Der geübte Höhlenforscher isst am Tag des Einstiegs nur wenig. Warum ist schnell erklärt. Toilette-Anlagen sucht man vergebens. Sollte jemand dem Darm-Drang partout nicht standhalten können, gibt es kleine luftdicht verschließbare Rohre, in welche die Notdurft verrichtet werden muss. Bei diesem Gedanken fällt es am Morgen leichter auf ein mondänes Frühstück zu verzichten.

Erstausstrahlung 2019

All diesen Widerständen zum Trotz haben wir es geschafft einen schönen Film zu produzieren, der im Mai 2019 bei ServusTV in der Reihe „Bergwelten“ erstmalig ausgestrahlt wird.

Mathias Peschta

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